Argumente-Akkordeon

Wenn man hier eine 6 Meter breite Piste zubetoniert, bleibt doch nichts vom Strand übrig! Das Bezirksamt hat einen 5,90 m breiten Weg vorgeschlagen, um sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer (jeweils ca. 3m) Platz zu schaffen. Dies entspricht den geltenden Vorschriften für einen getrennten Geh-und Radweg. Das ist nicht unbedingt nötig, da auch ein gemeinsamer Weg, wie auch auf der übrigen Elbuferstrecke üblich, machbar wäre. Wir denken an maximal 3 bis 4 Meter. Und wir denken nicht an Beton! Denn die Schönheit des Övelgönner Elbstrands soll nicht beeinträchtigt werden.
Warum fahren die Radfahrer nicht einfach auf der Elbchaussee? Manche tun das tatsächlich. Das sind aber eher die ganz hartgesottenen unter den Radlern. Die Elbchausse ist eine stark befahrene Ausfallstraße, verfügt über keinen Radweg und erstickt täglich zur Rushhour unter einer Blechlawine. Eine attraktive Radverkehrsverbindung sieht anders aus!
Nebenbei: Man kann als Radfahrer ja nicht so einfach vom Elberadweg zur Elbchausse wechseln (es gibt keine sanft ansteigenden Verbindungen), um die 1000 Meter Schiebestrecke zu umfahren. Man muss dann schon die kompletten 6 Kilometer zwischen Fischmarkt und Teufelsbrück auf der Straße fahren.
Da werden zig Quadratmeter Natur zerstört! Natur? Na ja. Der Strand ist künstlich mit einer Böschung aus Schlackesteinen, einem Abfallprodukt der Metallindustrie, befestigt. Der Sandstrand ist künstlich vorgespült und muss regelmäßig auf Grund der Verschmutzung gereinigt und ausgewechselt werden. Der Blick geht auf das Containerterminal Burchardtkai. Die Attraktion besteht also eher in einer Mischung aus Hafenflair, Beachclubatmosphäre und verfügbaren Fischbrötchen und Getränken.
Wer die Natur sucht, erholt sich eher einige Hundert Meter weiter westlich, wo auch das Miteinander aus Fußgängern, Radfahrern und Strandbesuchern bestens klappt.
Ist es denn so schlimm, wenn die Radfahrer mal einen Kilometer schieben?

Ein Radtourist steigt sicher auch gerne mal ab. Obwohl das Schieben eines mit Gepäck beladenen Reiserads auch kein Vergnügen ist. Die Reiseradler machen aber nur einen geringen Anteil des Radverkehrs am Elbufer aus. Ein viel größeres Interesse haben die Alltagsradler, die z.B. täglich ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad bewältigen, statt sich ins Auto oder öffentliche Verkehrsmittel zu setzen. Rechnen wir doch mal: Auf einer Strecke verliert man nur 12 Minuten. Das sind pro Tag 24. Bei einer 5-Tage-Woche landen wir bei 2 Stunden. Aufs Jahr gerechnet verliert der Radler 80 Stunden. Das macht im Laufe eines Berufslebens ... Okay, das Prinzip ist klar, oder?

 

Viele Leute sind auf dem Fahrrad nur in der Freizeit oder bei gutem Wetter unterwegs (schade eigentlich, aber es ist wahr). Für viele von uns  und es werden hoffentlich bei guten Radwegen mehr  ist das Rad ein Verkehrsmittel wie für andere Leute das Auto. Und um Autofahrern einmal unsere Sichtweise verständlich zu machen, bemühen wir einen Vergleich aus dem Leben eines Autofahrers:

 

Stellen Sie sich mal vor, sie sind Pendler und fahren täglich 30 Kilometer auf einer Bundesstraße zur Arbeit. Und dann kommen sie zu einem Stück, wo die Bundesstraße für mehrere Kilometer ein Feldweg ist. Da müssen Sie z.B. hinter einem Trecker herfahren und verlieren so pro Weg 15 Minuten. Da würden Sie doch auch fordern: "Dieses Stück muss ausgebaut werden!"

 

So ist es für Radfahrer, die täglich auf dem Radweg die Elbe entlang nach Hamburg reinfahren. Es ist einfach unrealistisch zu fordern, ein Radfahrer müsse auf seinem Weg zur Arbeit täglich 1 Kilometer schieben. 

Warum kann es nicht einfach so bleiben wie es ist? Rücksichtsvolle Radler werden doch jetzt schon auf der Schiebestrecke toleriert. Es besteht ein dauerhafter Konflikt in Övelgönne, der nicht durch weggucken gelöst wird. Auch wenn rücksichtsvolle Radfahrende dort (teilweise) geduldet werden, ist es immer noch eine Ordnungswidrigkeit und kann ein Bußgeld von bis zu 30 Euro bedeuten. Bevor man ehrliche Bürger zu täglichen Regelverstößen einlädt, wäre eine (zeitweise) Umwidmung des vorhandenen Weges die bessere Alternative (Fahrradfahrer frei). 
Wenn ein Weg gebaut wird, verkommt Övelgönne zur Durchfahrtsstrecke! De Facto nutzen Rad-Pendler und Jogger Övelgönne jetzt schon als Durchgangsstrecke. Vor allem zu den Stoßzeiten hält sich kaum einer am Strand auf. An schönen Sommerabenden und am Wochenende gibt es zum einen weniger Pendler und auch diese genießen den Naherholungswert. Der ein oder andere gönnt sich sicher auch ein Feierabendbier an der Strandperle.
So ein Weg wäre viel zu teuer. Es ist noch viel zu früh, um über Kosten zu sprechen. Dazu müssten erst einmal die Ingenieure grobe Planungen vorlegen. Klar ist, dass Bau und Betrieb nicht umsonst zu haben sind. Die Frage müsste daher lauten: Was ist uns die Schaffung eines befestigten Weges für alle, die Schließung einer Lücke im Radnetz, die Förderung des alltäglichen Radverkehrs, die aufwertende Umgestaltung des Elbstrandes etc. wert? Diese Frage wird natürlich jeder unterschiedlich beantworten. Angesichts vieler Steuermillionen, die jährlich in schädlichen, motorisierten Individualverkehr und dessen Folgen gesteckt werden, darf die nicht motorisierte Fraktion aber auch gelegentlich einmal Ansprüche anmelden.
Baut doch die Elbchaussee um! Auch eine gute Idee. Allerdings müsste man dort sehr viel verändern, denn die Breite ist nicht überall ausreichend für einen Radfahrstreifen. Einen Strich und ein Fahrrad-Piktogramm auf die Fahrbahn zu pinseln, schafft zwar eine Infrastruktur für geübte und selbstbewusste Alltagsradler, spricht allerdings nicht Senioren, Kinder oder ungeübte Radler an. Gerade jene, die sonst täglich im Stau der Elbchaussee stehen, lockt man mit einer verkehrsärmeren Strecke eher aufs Rad.
Der neue Weg wäre regelmäßig überschwemmt und daher oft unbenutzbar. Wir Hamburger sind Hochwasser gewohnt. Auch an anderen Stellen wie dem Fischmarkt bekommt man ab und an nasse Füße. Doch die meiste Zeit im Jahr wäre der Weg problemlos nutzbar. Auch an Tagen mit besonders hohen Fluten läuft die Elbe ja meist nur stundenweise über. Einzige unangenehme Kombination: Überschwemmung plus Minustemperaturen. Da könnte der Weg dann einmal für ein paar Tage vereisen.
Ein Weg am Strand ist technisch unrealistisch Wir sind keine Ingenieure oder Bauexperten. Sandiger Untergrund und Hochwasser stellen sicher technische Herausforderungen dar. Andererseits ist klar: Es wäre nicht das erste Bauwerk, das den Fluten der Elbe standhalten muss. Und nicht der erste Weg, der erfolgreich über oder am Rande eines Sandstrandes gebaut wurde (siehe Ideen). Also lasst uns hier nicht über Konstruktionsdetails philosophieren, dafür gibt es gute Fachleute.
An sonnigen Tagen wäre für Radler kein Durchkommen. Sicher werden gerade im Sommer viele Spaziergänger den Weg nutzen. Wie auch auf der übrigen Strecke an der Elbe. Allerdings kommen diese sich zeitlich kaum in die Quere mit den Pendlern. Denn Zeit zum Flanieren finden die meisten vor allem am Wochenende und im Feierabend.
Der Elberadweg Övelgönne versaut ein Stück Hamburg für alle. Ein Aufkleber mit diesem Text ist seit kurzem tatsächlich zu bewundern. Er verklebt die offizielle Ausschilderung des Radwegs. Mal abgesehen davon, dass sich die Radtouristen in Zeiten von GPS-Tracks davon sicher nicht in die Irre führen lassen: Gebt uns bitte nicht auch noch die Schuld dafür, dass dieses Stück Hamburg oft tatsächlich versaut ist. Die Glasscherben und Holzkohlereste, der Hundekot und all die anderen unappetitlichen Hinterlassenschaften stammen nicht von uns!
Die Diskussion hatten wir doch schon... Dass diese Diskussion alle Jahre wieder aufflammt, zeigt deutlich, welcher Verbesserungsbedarf besteht. Nicht nur ein Weg muss her, auch Sitzmöglichkeiten und die Entfernung der Schlackesteine werden immer wieder gefordert.